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Das aktuelle Interview - Saisonstart

Im Gespräch mit Tierarzt Burkard Sudhoff, Mönchengladbachsudhoff

Wie wichtig sind Untersuchungen zum Saisonstart? Welche Untersuchungsmethoden decken ein breites Spektrum ab?
„Zum Start der Saison sollte eine umfassende Untersuchung von Tauben und Kot erfolgen. Abstriche aus dem Kropf lassen Trichomonaden erkennen. Die Kropfschleimhaut kann beurteilt werde, und das Vorliegen einer Kropfschleimhautentzündung nur so festgestellt werden. Endoskopisch sehe ich keine Bakterien oder Trichomonaden. Die Endoskopie ist eine „Show-Untersuchung“ zumindest in diesem Zusammenhang. Desweiteren erfolgen Kehl-gangsabstriche welche einer bakteriologischen Untersuchung unterzogen werden. So können wir Schnupfenerreger feststellen. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Chlamydien-untersuchung. Das ist auch nichts Neues, sondern diese Untersuchung wird bei uns seit fast 20 Jahren schon gemacht. Wir machen diese Untersuchung aus der Kotprobe oder auch bei der Einzeltaube, dann mit der „Drei-Tupfer-Methode. Hierbei wird aus der Augenbindehaut, der Kehle und der Kloake etwas Sekret entnommen und in den Test eingebracht. Bei der Kotpro-be untersuchen wir natürlich parasitologisch und vollbakteriologisch. Das heißt, wir schauen nicht nur nach Salmonellen, sondern auch nach E.-Coli und weiteren krankmachenden Darmbakterien. Blutproben werden auch schon mal entnommen, aber nur bei speziellen Fragestellungen.“

Wie sehen Sie die obligatorischen Behandlungen gegen Trichomonaden und Atemwegserkrankungen aus? Viele Züchter kuren ihren Bestand vor der Saison grundsätzlich – macht das Sinn?
„Also vor Beginn der Reisesaison sollte in jedem Fall eine Trichomonadenbbehandlung erfolgen, es sei denn, die Abstrichuntersuchung einer relevanten Zahl von Reisetauben ergibt keinen Befund. Das ist aber eher die Ausnahme und deshalb empfehle ich eine Kur mit Ridzol. Dieses Medikament ist gut verträglich und kann auch hoch dosiert verabreicht werden. Entweder gebe ich im Frühjahr einen Messlöffel auf 1,5 bis 2 Liter Trinkwasser für 5-6 Tage oder ich verabreiche das Medikament über das Futter. Das ist in den Phasen in denen die Tauben wenig Wasser trinken die sicherere Behandlungsform. In Deutschland ist auch noch das Produkt Chevicol im Handel, hiervon gibt man ein Tütchen auf 2 Liter Wasser. Diese Dosierung ist streng einzuhalten, da der Wirkstoff eine enge therapeutische Breite besitzt. Bei geringfügiger Überdosierung kommt es zu unerwünschten Nebenwirkungen wie beispielsweise Kopfverdrehen, Koordinationsstörung und evt. Erbrechen.

Atemwegserkrankungen können nicht einfach so behandelt werden, da der Züchter in aller Regel gar nicht weiß ob eine Infektion vorliegt und vor allem wenn doch, mit welchem Erreger. Je nach Infektion sind sehr unterschiedliche Antibiotika erforderlich. In vielen Produkten ist dann auch noch eine unzureichende Konzentration enthalten was die korrekte Behandlung weiter erschwert.“

Welche Maßnahmen im Bezug zu Trichomonaden befürworten Sie zum Saisonstart?
„Wie schon oben erwähnt ist eine 5-6 tägige Kur mit Ridzol oder auch Chevicol sinnvoll.“

 Wann sind Behandlungen der Atemwege angezeigt?
„Grundsätzlich vor der Reise wenn bei einer Untersuchung ein spezieller Erreger nachgewiesen wurde. Dann sollte die Behandlung entsprechend eines Antibiogrammes erfolgen. Aber auch immer dann, wenn der Züchter Nießen hört, oder die Nasenwarzen bräunlich oder aschfarben verändert sind, ist Gefahr in Verzug. Hecheln Tauben beim Freiflug so ist das selten ein Zeichen einer Atemwegsinfektion sondern fast immer ein Zeichen einer allgemeinen körperlichen Erschöpfung. Hecheln im Frühjahr kann auch ein Zeichen noch mangelnder Kondition sein. Häufig ist auch die Hitze am Nachmittag für das Hecheln verantwortlich, das ist dann eine völlig normale Reaktion des Körpers.“

Was raten Sie dem Züchter, wenn seine Tiere zwar gesund sind, aber die Tiere zu wenig Vitalität zeigen, graue Daunen aufweisen und ein schuppiges Bauchfleisch haben?
„Tauben die so aussehen haben keine Form. Das ist ein sehr komplexes Thema. Form ist das Resultat aus Ernährung, Training, Unterbringung und Gesundheit. Hier müssen alle Bereiche einzeln besprochen werden. Leider verfügen nur ein winziger Teil der Taubenzüchter über ernährungsphysiologisches Basiswissen, dennoch meinen viele Ihre Tagesration selbst mischen zu müssen. Das geht häufig in die Hose. Genau so verhält es sich bei dem Thema Gesundheit. Da werden Schlagreportagen mit irgendwelchen Behandlungsplänen abgedruckt als wenn es Rezeptbücher währen. Das nachzumachen kann nur schief gehen. Aber den Trend zur Selbstmedikation sehen wir ja auch bei uns Menschen. Nie war der Markt für frei verkäufliche Arzneimittel größer als heute. Aber da lassen sich die Menschen wenigstens noch vom Apotheker beraten, Taubenzüchter bedienen sich ja lieber irgendwelcher im verborgener handelnder Quellen. Bei der Unterbringung ist in den letzten 20 Jahren viel gesündigt worden. Da wurde ein völlig überzogener Hang zur Frischluft indoktriniert. Frei nach dem Motto die Tauben benötigen viel frische Luft, ja sogar Formeln zur Frischluft für Taubenschläge wurden entwickelt. Leider wurde nie berücksichtigt, dass Tauben eine anheimelnde, trockene, völlig zugfreie Umgebung zur Formentwicklung benötigen. Nur gut isolierte Schläge mit einer kleinen Deckenöffnung bieten diese Formsteigernde Atmosphäre. Große Schläge mit viel frischer Luft, großer Zwischendecke usw. sind „Bahnhofswartehallen, ohne Atmosphäre. Form entwickelt sich da nicht. Die so beliebten grünen Netze lassen keinen Windzug zu aber sorgen für ungehinderten Eintritt viel kalter und feuchter Luft. Das ist ein Formkiller. Abluftanlagen mit Ventilatoren wurden tausendfach installiert und fast alle wieder abgeschaltet oder ausgebaut. Das waren große Irrwege im Taubensport.

Trockenheit, Wärme und Sonnenlicht steigern die Form.“

Welchen Tipp können Sie jedem Züchter in diesen Tagen auf den Weg geben?
„Wir hatten einen langen Winter, viele Tauben haben einen Trainingsrückstand mit noch mangelnder Formkurve. Daher ist eine gehaltvolle Ernährung, also volles Witwerfutter, und nicht Leichte Kost oder Reinigungsfutter, angezeigt. Das Training bitte nicht übertreiben, nur Tauben welche morgens stark fliegen sollten zu einem weiteren Trainingsflug am Abend star-ten. Form kann man nicht erzwingen durch Zwangstraining. Dadurch wird die Taube eher ge-schwächt und fliegt sich beim nächsten Wettflug ganz kaputt. Nach dem Wettflug unbedingt Ruhe gewähren, nur so ist eine Regeneration mit Reparation der zerstörten Muskelfasern möglich. Nach dem Wettflug eiweißreich füttern. Kurze Trainingsflüge bis maximal 15 km schulen den Heimkehrwillen ohne starke körperliche Erschöpfung. Weitere Trainingsflüge bergen das Risiko der zu starken Entleerung der Speicher, der wieder anzulegenden Reserven.“

Tierarztpraxis Sudhoff
Hehnerholt 105/Eingang Fockestrasse
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